Onepage-Website oder mehrere Seiten? So entscheidest du richtig

Sie sehen aus wie normale Websites. Aber statt dich auf eine neue Seite zu führen, bringen dich die Navigationspunkte nur zu einem anderen Abschnitt auf derselben Seite.

Onepage-Websites.

So ein Onepager ist eine Website, die technisch aus einer einzigen HTML-Seite besteht. Dabei befinden sich alle Inhalte – von deiner Website-Tagline und den Leistungen bis zum Kontaktformular – auf derselben Seite.

Vielleicht spielst du mit dem Gedanken, dir auch so eine zuzulegen. Du willst es einfach halten. Und viel zu sagen hast du (noch) nicht. Also: je weniger Seiten, desto weniger Stress. Oder?

Nicht wirklich. Da kommt viel mehr Ärger auf dich zu, als du ahnst.

Und obwohl die Frage „Onepager oder Multipager?“ sich nicht pauschal beantworten lässt, Hier sind schon mal 5 wichtigen Nachteile einer Onepage-Website.

Nachteil 1:
Du verwirrst deine Besucher

Du denkst vielleicht, eine Onepage-Website sei super für die User Experience. Deine Besucher lehnen sich zurück, entspannen sich und scrollen gemütlich nach unten.

In der Wahrheit passiert genau das Gegenteil.

Du weißt, dass es ein Onepager ist. Deine Besucher aber nicht. Für sie sieht das Ganze aus wie eine ganz normale Website. Also erwarten sie auch ein typisches Website-Verhalten.

Sie klicken auf „Leistungen“ und fangen an zu lesen. Aber die Seite endet nicht nach der Beschreibung deiner Dienste. Stattdessen geht’s einfach weiter mit „Über uns“ oder was auch immer danach kommt.

Das mag an sich relevante Info sein. Aber hier sorgt es für Verwirrung, weil es den Erwartungen deiner Besucher widerspricht.

Du denkst vielleicht: halb so wild. Das Leben läuft ja auch nicht immer wie erwartet.

Stimmt. Aber jedes Mal, wenn sich deine Website nicht so verhält, wie deine Besucher es erwarten, entsteht Reibung in der User Experience. Schlechte Reibung.

Reibung, die sich aufstaut, führt zu Frust. Und Frust führt dazu, dass Besucher deine Website verlassen.

Nachteil 2:
Du setzt deinen Webtexten enge Grenzen

Vielleicht hast du heute nicht viel zu sagen. Aber was ist, wenn du später eine neue Dienstleistung anbietest? Oder einen Blog starten willst?

Hast du Lust, in einem Jahr deine komplette Website umzubauen?

Wenn nicht, bleibst du möglicherweise bei Texten hängen, die dir und deinem Angebot nicht gerecht werden.

Klar, du kannst einfach immer mehr Inhalte auf die eine Seite packen. Aber je länger dein Onepager wird, desto weniger Besucher scrollen bis ganz nach unten.

Percentage of viewing time per screen view
Interessant zu wissen: Das, was ein Besucher bei ein Mal bzw. zwei Mal scrollen sieht, bekommt 2,5-mal so viel Aufmerksamkeit wie alles, was Besucher erst nach dem dritten Scroll sehen. (Quelle: NNgroup).

Nachteil 3:
Deine Seite lädt langsamer

Deine Onepage-Website ist erst mal genau das: eine einzige Seite. Eine URL für den gesamten Inhalt.

Und dieser Inhalt braucht länger zum Laden, als wenn du ihn auf mehrere URLs, also auf mehrere Seiten deiner Webseite, verteilst.

Vor allem dann, wenn dein Onepager viele visuelle Elemente enthält, mutest du deinen Besuchern eine längere Ladezeit zu.

Und du weißt ja, wie sehr Website-Besucher Warten lieben! 25 % deiner Besucher springen nach 4 Sekunden Ladezeit ab. Das macht die langsame Ladegeschwindigkeit zu einem der Gründe, warum deine Website nicht konvertiert.

Page load time vs page abandonment rate

Na super! Nach 4 Sekunden Ladezeit verlassen 25 % der Besucher deine Website. (Quelle: Neilpatel.com).

Nachteil 4:
Keine Einblicke ins Nutzerverhalten

Google Analytics erfasst nicht automatisch, auf welche Navigationspunkte deine Besucher klicken. Es erfasst neue URL-Aufrufe. Und da dein Onepager nur eine URL hat, kannst du in Google Analytics nicht automatisch sehen, auf welche Navigationspunkte deine Besucher klicken.

Klar, du könntest Events über den Google Tag Manager einrichten. Aber wenn dir Google Analytics schon so ein Unbehagen bereitet, wird dich der Google Tag Manager zum Weinen bringen.

Und selbst wenn du technisch fit bist: Es gibt keine Daten für Onepage-Websites, die wirklich vergleichbar sind mit „Time on Page“ oder Absprungraten von Multi-Page-Websites.

Das heißt, bei deinem Onepager hast du keine Ahnung:

  • welche Bereiche deiner Seite am interessantesten sind
  • wie lange Besucher einzelne Abschnitte lesen
  • wie viele Seitenabschnitte sie pro Besuch ansehen

Und das bedeutet: Außer du hast von Anfang an die perfekte Website gebaut (haha), weißt du nicht, was funktioniert und was nicht. Und das Fehlen von Daten macht Conversion-Optimierung von deinem Onepager, die im Idealfall mit einer datenbasierten Conversion-Analyse anfangen sollte, schwierig.

Nachteil 5:
Onepage-Websites sind schlecht für SEO

Mit einer einzigen Seite für irgendwas zu ranken ist viel schwieriger, als mit mehreren Seiten. Vor allem in umkämpften Märkten.

Außer du hast gerade etwas völlig Neues erfunden. Zum Beispiel ein Teleportationsgerät. Aber selbst dann hält die Google-Liebe nicht lange.

Schon bald springen andere Websites auf denselben Keyword-Zug auf und fluten das Internet mit Artikeln wie „10 Dinge, die du mit einem Teleportationsgerät noch nicht wusstest“ oder „Er programmierte sein Teleportationsgerät im Schlaf. Was dann passierte, glaubst du nicht.“

Die können das machen, weil sie Multi-Page-Websites haben. Und du, lieber Besitzer eines Onepagers, kannst da nicht mithalten.

„Aber mein Webdesigner sagt, Onepage-Websites sind total ‚in‘. Und außerdem haben alle coolen Kids ein Onepager.“

#tiefEinatmen #bis10zählen

Erstens: Lauf. Echt jetzt. Lauf weg von jedem Webdesigner, der „ist gerade in“ für ein valides Argument bei einer Designentscheidung hält.

Wenn es um Webcopy oder Webdesign geht, sind das hier valide Gründe, um ein Feature, Element oder eine Farbe einzubauen:

Es entspricht den Erwartungen deiner Zielgruppe

Deine Zielgruppe erwartet es (d.h. es ist ein prototypisches Element oder Feature , das Misstrauen oder Verwirrung auslöst, wenn es fehlt).

Es hat einen Mehrwert 

Es hilft deinen Interessenten dabei, mindestens eines dieser Dinge zu tun:

…oder es bereitet ihnen zusätzliche Freude, ohne die 3 Punkte oben zu verletzen.

Es beugt einer negativen Wahrnehmung vor

Wenn du dieses Element oder Feature nicht einbaust, wirkt deine Website alt, überladen, unseriös oder wird aus anderen Gründen negativ wahrgenommen.

Folgende sind keine validen Gründe für eine Website-Änderung:

Es sieht hübsch aus

Es entspricht einem aktuellen Trend

#rantEnde

Wo waren wir? Ach ja. Die coolen Kids mit ihren Onepage-Websites.

Selbst wenn du in deiner Branche viele Onepager, heißt das nicht, dass die Gründe ihrer Betreiber auch auf dich zutreffen.

Zum Beispiel:

  • Ihr Unternehmen ist so bekannt und so viele Website-Besucher, dass es ihnen egal sein kann, wie ihre Webseite aussieht. Sie generiert trotzdem genug Umsatz.
  • Sie nutzen ihre Website nur als Visitenkarte, haben wenig Website-Besucher, bekommen Kunden über Empfehlungen und wollen weder Fremde überzeugen noch über Google gefunden werden.
  • Sie haben wenig Ahnung, was sie da tun (was viel öfter passiert, als man denkt).

Lange Rede, kurzer Sinn
Wann ist eine Onepage-Website eine schlechtere Wahl?

Tu es nicht, ich wiederhole, tu es nicht, wenn:

  • du irgendwann in der organischen Suche ranken willst
  • du planst Blogbeiträge zu schreiben
  • du viel erklären und überzeugen musst, weil dein Angebot komplex ist oder du mehrere Leistungen anbietest
  • du verstehen willst, wie Besucher mit deiner Website interagieren, um sie gezielt verbessern zu können

Wann kann eine Onepage-Website trotzdem sinnvoll sein?

Es gibt tatsächlich ein paar legitime Gründe, warum ein Onepager besser sein kann als eine Multi-Page-Website. Zum Beispiel:

  • Du willst nicht über Google gefunden werden und nutzt deine Website nur als Visitenkarte für Menschen, die dich über Empfehlungen finden.
  • Du brauchst jetzt sofort eine Website, hast aktuell ohnehin nicht mehr viel zu sagen, kennst die Einschränkungen und planst, später auf eine Multi-Page-Website umzusteigen.
  • Du hast ein sehr fokussiertes Angebot und nutzt den Onepager bewusst als Landingpage mit In-Page-Navigation.

Mehr solcher Fragen beantworte ich in meiner Serie Website-Beratung in der Praxis: Fragen & Antworten.

Du weißt nicht genau, was für dich eine bessere Option wäre?

Wenn du unsicher bist, ob eine Onepage für dein Angebot sinnvoll ist, lass uns das vorab prüfen, bevor du Geld in das falsche Setup steckst.

Mehr zur Website-Beratung

Gill Andrews